Exhibition Review: Mode Kunst Werke – 1715 bis heute

Nachdem ich im Januar die Ausstellung uli richter revisited besucht habe, jedoch keine Zeit hatte, mir noch die dauerhafte Ausstellung Mode Kunst Werke – 1715 bis heute anzuschauen, bin ich an einem freien Vormittag während der Fashion Week Anfang Juli in das Kunstgewerbemuseum gegangen, um dies nachzuholen.
Diese Ausstellung ist nicht darauf ausgelegt, durch ihr Drumherum zu glänzen, sondern durch ihre Vielzahl an Kleidern, Kostümen, Anzügen etc., die sich bis ins 18. Jahrhundert zurückdatieren lassen. Natürlich waren die Ausstellung Hubert de Givenchy – To Audrey with Love, Cristobál Balenciaga – L`œuvre au noir oder Christian Dior – Designer of Dreams spektakulärer gestaltet, jedoch bietet die dauerhafte Ausstellung Mode Kunst Werke – 1715 bis heute ein mannigfaltiges Spektrum an mode-geschichtlich prägenden Kleidungsstücken.
Neben einigen Abendkleidern, sogenannten Robe à la Française, und Herrenanzügen aus dem 18. Jahrhundert und Nachmittags- und Promenadenkleidern aus dem 19. Jahrhundert, beeindruckt diese Ausstellung vor allem mit einer Vielzahl an Kleidungsstücken des 20. Jahrhunderts, von Designern wie Coco Chanel, Cristobál Balenciaga, Madeleine Vionnet, Paul Poiret, Christian Dior, Elsa Schiaparelli, Paco Rabanne und und und.
Die Ausstellungen, die ich bisher besucht habe, präsentierten meist nur die Werke eines Designers beziehungsweise eines Labels. Diese Ausstellung dagegen, vereint Designs der wichtigsten Couturiers des 20. Jahrhunderts und zeigt damit, wie facettenreich dieses Jahrhundert wohl gewesen sein muss. Von den Nachmittagskleidern mit dieser typischen S-Kuve aus den frühen 1900ern, über das Delphos-Kleid der 1910er, über die Tanzkleider der Flapper-Girls aus den 20ern, über Kostüme mit perfekter Passform und Abendkleider aus den 1950ern, der letzten großen Hochzeit der Haute Couture, bis hin zu den futuristischen Kleidern und Anzügen aus den späten 1960ern, hat die Mode-Gallerie des Kunstgewerbemuseums alles zu bieten.
Man vermutet die tollen Modeausstellungen immer in den Modemetropolen Paris, London und New York, doch auch ein Blick vor die eigene Haustür lohnt sich. Die Anzahl ikonischer Kleider ist enorm und besonders die abwechslungsreichen Kleidungsstücke, die sich teilweise mehr als 250 Jahren zurück datieren lassen, beeindrucken, vor allem vor dem Hintergrund, dass jedes dieser Kleidungsstücke in einem aufwendigen Arbeitsprozess konserviert werden muss, eigens Figurinen dafür angefertigt wurden und die Vitrinen, in denen sie präsentiert werden, säure- und staubfrei sein müssen.
Wie schon die Ausstellungen davor, entführt auch diese, die Besucher auf eine Zeitreise, in der der Silhouettenwandel der letzten 300 Jahre veranschaulicht wird. Von der Sanduhr-Silhouette im 18. Jahrhundert, über die Körperform ändernden Elemente, wie die Krinoline oder Tournüre im 19. Jahrhundert, bis hin zu den abwechslungsreichen, parallel nebeneinander stehenden Silhouetten des 20. Jahrhunderts, können die Besucher des Kunstgewerbemuseums alles bestaunen. Auch wenn die Ausstellung kein kunstvolles Drumherum bietet, so veranschaulicht sie die Entwicklung der Modegeschichte, wie keine andere Ausstellung, die ich bisher besucht habe. Wer seinen nächsten Berlin-Trip schon gebucht hat, sollte auf jeden Fall einen Besuch im Kunstgewerbemuseum in Erwägung ziehen. 🙂
Natürlich gibt es auch zu dieser Ausstellung wieder einen tollen und sehr informativen Ausstellungskatalog, den man entweder im  Museum oder hier erwerben kann. Dieser Katalog hält alle Kleidungsstücke dieser Ausstellung fotografisch fest und hat sie mit Datum, Material und weiteren wichtigen Informationen versehen.
Dies ist vorerst der letzte Bericht über eine Modeausstellung, da ich wahrscheinlich erst Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres nach London komme, um mir die Ausstellung Balenciaga – Shaping Fashion im V&A Museum anzusehen. Bis dahin möchte ich jedoch eine neue Reihe starten, in der ich Euch jede Woche ein bekanntes Kleidungsstück oder Outfit und die dazugehörige Geschichte vorstellen werde. Den Anfang macht nächste Woche das Bar-Kostüm von Christian Dior, dass den New Look und die Mode einer ganzen Generation eingeleitet hat.

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1 Kommentar

  1. WOW! Das sieht nach einer richtig tollen Ausstellung aus. Ich glaube da will ich auch mal hin… Besonders klasse finde ich, dass mehrere Designer gezeigt werden. Bestimmt ist es sehr interessant, die verschiedenen Stile zu vergleichen. Mein nächster Berlin Besuch steht noch nicht an, aber wenn weiß ich was ich zu tun hab. 🙂 Auf deine neue Serie bin ich auch ganz gespannt! Klingt sehr toll.
    Liebe Grüße
    Alexandra von http://www.livinglikegolightly.com

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